Ordnung ist nicht das Ziel – Entlastung ist es

10/02/2026

1. Aufräumen löst nichts – wenn der Raum dich stresst

Wer ADHS hat – oder mit Kindern lebt, die davon betroffen sind – kennt das: Aufräumen ist eine nie endende Aufgabe. Kaum ist eine Fläche frei, wird sie wieder belagert. Das Problem?
Nicht die fehlende Disziplin. Sondern ein Raum, der nicht mitarbeitet.

Beispiel:

Der Küchentisch ist ständig voller Zeug?
Nicht, weil ihr zu schlampig seid – sondern weil es keinen anderen Ort gibt, der diese Dinge sichtbar UND greifbar aufnimmt.

Lösung: Eine offene Ablage direkt am Eingang oder in Küchennähe, in der Post, Schlüssel, Schulzettel etc. offiziell landen dürfen – sichtbar, geordnet, kategorisiert.


2. Räume als Energiequelle – nicht als Energiefresser

Ein klug eingerichteter Raum spart Energie. Er hilft dir, im Alltag nicht ständig nachzudenken, zu suchen oder dich zu ärgern. Einrichtung ist kein Deko-Thema – sie ist Alltagshilfe auf Möbelfüßen.


3. Sichtbar vs. unsichtbar – aber mit System

Menschen mit ADHS brauchen visuelle Reize – aber keine Reizüberflutung.

Was bedeutet das?

  • Täglich Genutztes:
    Sichtbar, leicht zugänglich, mit klarer „Adresse“.
    → Beispiel: Zahnputzbecher auf dem Waschbecken, Kleidung im offenen Regal (nicht im überfüllten Schrank), Brotdosen in Sichtweite

  • Seltener Genutztes:
    Unsichtbar – aber gut sortiert.
    → Beispiel: Saisonales Spielzeug in transparenten Boxen mit Etiketten im Regal oben. NICHT: „Chaos-Schublade“, wo alles kreuz und quer liegt und keiner mehr durchblickt. Kritikpunkt aus vorher: Chaos-Schubladen sind KEINE Lösung.

Aber: Eine Kiste mit definierter Funktion (z. B. „Ladekabel und Technikzeug“, offen zugänglich, mit Unterteilung) ist okay – wenn sie strukturiertes Chaos enthält.


4. Zonen statt Zimmer – funktional denken

Räume sollten sich am Alltag orientieren, nicht an architektonischen Grenzen.

Beispiele:

  • Morgenzone für Kinder:
    Kleidung für den Tag, Bürste, Brotdose, Rucksack – alles an einem Ort, der leicht zugänglich ist, z. B. am Bett oder direkt im Flur

  • Kreativ-Zone statt „Kinderzimmer“:
    Bastelmaterial in Sichtnähe, aber getrennt nach Kategorien – z. B. Farben, Papier, Scheren. Lieber offene Boxen mit klarer Beschriftung als geschlossene Schränke.

  • Runterkommen-Zone für Eltern:
    Eine ruhige Ecke ohne Reizüberflutung, mit nur den nötigsten Dingen: Buch, Kopfhörer, Decke. Kein Sammelbecken für Wäsche oder Kram.


5. Laufwege optimieren – Alltag ohne Stolpersteine

Beobachte den Alltag:
Wo bleibt ihr immer hängen? Wo entstehen „Stauzonen“?

Konkrete Knackpunkte & Lösungen:

  • Eingangsbereich:
    Regale oder offene Körbe für jede Person (Mütze, Schal, Schulzettel). Haken statt Bügel – weil’s schneller geht.

  • Küche:
    Müslischüsseln, Löffel, Cornflakes an einem Platz – nicht verteilt über zwei Schränke.

  • Badezimmer:
    Jedes Familienmitglied hat eine Box (z. B. Zahnspange, Haarzeug) – offen, aber getrennt.


6. Fazit: Du bist nicht unorganisiert – dein Raum ist es

Viele Eltern mit ADHS oder ADHS-Kindern tragen ein Gefühl von „Ich krieg das einfach nicht hin“. Aber das stimmt nicht.
Was nicht funktioniert, ist eine Einrichtung, die sich nach Designkatalogen richtet statt nach echtem Leben.

Du musst nicht ordentlicher werden. Dein Zuhause muss einfacher werden.

Wenn du willst, dass dein Raum mitdenkt – statt dich täglich auszubremsen: Buche ein Beratungsgespräch oder sichere dir meinen Newsletter mit praktischen Einrichtungsideen für Familien mit ADHS.

Tiny House

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Illustration eines erschöpften Elternpaars in einem chaotischen Wohnzimmer mit pinken Gedankenblasen – Symbol für mentale Überforderung bei ADHS.